Erosionen

Achtung, sauer!

Den meisten Patienten ist gar nicht bewusst, in welchen Lebensmitteln Säure enthalten ist.

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Leckere Fruchtsäfte stehen bei vielen Menschen auf der Tagesordnung – vor allem jetzt im Sommer! Gemeinhin gelten diese als gesund und werden süßen Zuckergetränken gerne vorgezogen. Doch auch bei jenen ist Vorsicht geboten, denn die Säure in den Säften fördert Erosionen. Neben der Ernährung gibt es allerdings auch noch einige weitere Ursachen für den Abbau des Zahnschmelzes. Einige Betroffene leiden unter Reflux; sie schädigen also durch die eigene Magensäure ihre Zähne. Eine andere, nicht kleine Patientengruppe etwa leidet unter Bulimie. Bevor man sich also an die eigentliche Therapie wagt, braucht es eine Ursachenforschung.

Gut versteckt, kaum zu finden

Erosionen lassen sich nur sehr schwer erkennen. Vor allem im Anfangsstadium nehmen die Patienten die Gefahr überhaupt nicht wahr, weil Schmerzen in der Regel ausbleiben. „Deshalb ist eine gute klinische Diagnostik von Erosionen im Frühstadium sehr wichtig“, sagt Wilken. Zeichen für Erosionen sind glatte, matt glänzende Schmelzoberflächen sowie lokal okklusale und inzisale Eindellungen der Zahnoberfläche. Die meisten Erosionen sind bukkal/labial sowie oral zu finden. Wie so oft, ist auch bei Erosionen das Thema Dokumentation und Quantifizierung nicht zu unterschätzen. Dafür gibt es Programme, die Abhilfe schaffen. „Wir arbeiten bei uns in der Praxis mit dem Programm ParoStatus.de“, sagt Wilken.

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Den meisten Patienten ist gar nicht bewusst, in welchen Lebensmitteln Säure enthalten ist.

Damit lässt sich eine genaue Dokumentation betreiben – eventuelle Berechnungen und Konsequenzen werden automatisch dargestellt und können so unproblematisch mit dem Patienten durchgegangen werden. In der Prophylaxe ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich bei einer Läsion primär um einen erosiven oder einen abrasiven Prozess handelt. Generell gilt: Ein Gespräch mit dem Patienten kann über die Ätiologie der Erosionen Aufschluss geben. Manchmal genügt aber auch eine Befragung nicht, da sich der Patient seines Säureinputs oft nicht bewusst ist. Da kann ein Ernährungsprotokoll von Vorteil sein. Dieses sollte an mindestens vier aufeinanderfolgenden Tagen geführt werden – am besten inklusive Wochenende. „Den meisten Patienten ist gar nicht bewusst, in welchen Lebensmitteln Säure enthalten ist. Außerdem ist ihr Ernährungsverhalten am Wochenende oftmals anders“, erklärt Wilken.

Heike Wilken

Heike Wilken, Dentalhygienikerin in der Praxis Dr. Wolfgang Westermann, Fachzahnarzt für Parodontologie in Emsdetten

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Der Wochenendbesuch im neuen Burgerladen oder das sonntägliche Familienessen sind bei der Protokollierung also nicht außer Acht zu lassen. Wenn es an die Auswertung geht, sind genaue Kenntnisse des erosiven Potenzials der verschiedenen Getränke und Nahrungsmittel gefragt. Auch andere Abklärungen wie die Bestimmung der Fließrate, der pH-Werte und der Pufferkapazität des Speichels sind für die Erfassung des Erosionsrisikos der Patienten von Bedeutung. „Ich rate meinen Patienten, säurehaltige Lebensmittel zu reduzieren und auf möglichst wenige Hauptmahlzeiten zu beschränken“, sagt Wilken und verweist weiter auf kalzium- und phosphatreiche Lebensmittel wie Joghurt, Joghurtdressing, Quark, Käse, Buttermilch, Orangensaft mit Kalzium. Außerdem sei es wichtig, säure- und zuckerhaltige Getränke nicht schluckweise über einen längeren Zeitraum zu konsumieren oder gar durch die Zähne zu ziehen. Wer auf die Getränke nicht verzichten will, sollte zumindest einen Strohhalm benutzen. Und: „Patienten mit Reflux empfehle ich, Speisen und Getränke wie Zitrusprodukte, Essigsaucen, stark fetthaltige Speisen, Tomaten, Pfefferminz, Kaffee, Schwarztee, kohlensäurehaltige Getränke und Schokolade zu vermeiden. Bei diesen Patienten sind zur Schonung des Magens mehrere kleine Mahlzeiten am Tag anzuraten, und sie sollten keine große Mahlzeit vor dem Zubettgehen zu sich nehmen“, hebt Wilken
hervor.

Tipps und Tricks für daheim

Ist der Befund einmal da, hat Wilken aber auch Tipps für die häusliche Mundpflege parat. So empfiehlt sie schwach abrasive Zahnpasten mit Fluorid und Zinn. Diese bilden auf der Zahnoberfläche eine säureresistente Schutzschicht, und sie lagern sich in erosiv veränderten Oberflächen in Form von Zinnionen ein. Außerdem fluorid- und zinnhaltigen Spüllösung oder eines Fluoridgels. Und auch die richtige Zahnbürste kann einen großen Unterschied machen – Wilken setzt vor allem auf weich und schonend. Zur Stimulierung der Speichelfließrate könne zudem noch auf zahnschonende Kaugummis oder Lutschbonbons zurückgegriffen werden.

Sonderfall: Bulimiepatienten

Bei Bulimiepatienten ist eine besondere Patientenberatung nötig. „Bei endogener Säurebelastung, wie sie bei Bulimieopatienten vorkommt, muss eine kausale systemische Therapie eingeleitet werden“, sagt Wilken. In erster Linie benötigen Bulimiepatienten eine psychologische und psychiatrische Betreuung. Letztlich sind es bei Bulimiepatienten vor allem individuelle Ratschläge, die gegeben werden müssen. Nur so kann gewährleistet werden, dass angemessene Prophylaxeschritte eingeleitet und weitergeführt werden. Generell gilt: Patienten mit aktiven erosiven Läsionen müssen in adäquater Mundhygiene instruiert werden. Der Patient muss unbedingt darüber informiert werden, dass die Zähne nicht unmittelbar nach der Säureexposition gereinigt werden sollten . „Da ist das Fachpersonal gefragt“, weiß Wilken.



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